Hätte Steve Jobs gegendert?

09. Juni 2026

5 Min. Lesezeit

Systemordner "Benutzer:innen" irritiert mich
Benutzer_innen beim Mac - was hätte Steve Jobs gesagt?

Inhaltsverzeichnis

Hätte Steve Jobs das Gendern in seinen Produkten zugelassen?

Als ich gerade den Systemordner „Benutzer:innen“ in meinem MacBook entdeckt habe, war ich kurz sprachlos.
Krass, dass Apple diese Bezeichnung nicht als Option anbietet, sondern sie tief im System so festlegt.
Für jemanden wie mich, der nicht gendert und Klarheit im Design liebt, fühlt sich das nicht ganz richtig an.

Ich respektiere es, wenn andere in meinem Umfeld gendern - ich selbst tue es aber nicht.

Jetzt frage ich mich ernsthaft: Wie hätte das wohl Steve Jobs gefunden?
Ein Genie, unserer Zeit voraus, der „Focus and simplicity“ predigte und gleichzeitig mit „Think different“ seine Marke Apple prägte, wie es nur wenige können.

Das lustige dabei ist ja, er schwomm so lange gegen den Mainstream, bis spätestens mit der Einführung des iPhones, der Mainstream sich an Apple anpasste.

Benutzer_innen beim Mac - Gendern bei Apple

Wie hätte sich Steve Jobs heute entschieden?

Wäre er Team „klares Design & Nutzerfreundlichkeit“ oder Team „radikale Wertekommunikation“ gewesen?

Um das nicht aus dem Bauch heraus zu beantworten, habe ich jemanden gefragt, der Steve Jobs’ öffentliche Aussagen wahrscheinlich besser im Kopf hat als wir alle zusammen: Mein Lieblings KI Chat Perplexity. Ich habe sie gefragt: „Wie hoch ist die Chance, dass Steve Jobs gendergerechte Sprache wie ‚Benutzer:innen‘ in seinen Produkten zugelassen hätte?“

Die Antwort in nüchterner KI-Logik war prompt:

  • Etwa 60-70% Wahrscheinlichkeit, dass Jobs das Gendern in der Benutzeroberfläche kritisch gesehen hätte - vor allem aus Gründen der Einfachheit, Lesbarkeit und Stringenz im Interface.
  • Gleichzeitig 30-40%, dass er die dahinterstehende Werte-Ebene spannend gefunden hätte: Apple als Marke, die sichtbar Haltung zeigt und gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitgestaltet.

Mit anderen Worten: Aus Sicht der KI – und ich teile diese Einschätzung zum Großteil – wäre Jobs wahrscheinlich der Typ gewesen, der fordert:
„Die Werte dahinter können wir unterstützen. Aber nicht so. Lasst uns eine Lösung finden, die inklusiv ist und trotzdem gnadenlos klar bleibt.“

Das Gendern im System hätte er eher als Symptom eines ungelösten Designproblems gesehen, nicht als finale Antwort.

Ein Grund warum alle Apple-Produkte abgerundete Ecken haben - die erste digitale Darstellung eines Rechtecks hatte keine runden Ecken. Auf die Frage, ob man diese auch abgerundet zeigen könne, kam die prompte Antwort, nein das geht nicht - eine inakzeptabel und damit nicht die finale Antwort für Jobs.

„Benutzer:innen“ als Designfrage, nicht als Kulturkampf

Spannend finde ich dabei vor allem die Verschiebung der Perspektive.
Die Debatte um Gendern wird meist als kultureller oder politischer Kampf geführt - dafür oder dagegen.
Aus der Jobs-Brille wird sie zu einer radikalen Designfrage:

  • Wie viel Komplexität verträgt ein Interface, bevor es seine Klarheit verliert?
  • Wie sichtbar darf eine Wertehaltung im Produkt sein, bevor sie dem Nutzungserlebnis im Weg steht?

Steve Jobs hätte Gendern vermutlich nicht auf der Meinungs-Ebene diskutiert, sondern auf der Ebene von Funktion, Klarheit und Story:
Passt diese Schreibweise zu der Art, wie Apple Produkte erzählt?
Oder braucht es eine andere, elegantere Lösung, die dieselbe Haltung ausdrückt, aber weniger Reibung erzeugt?

Faszinierend finde ich ja, dass Steve Jobs schon in den 1980ern von künstlicher Intelligenz Anwendungen sprach.
Für ihn war der Computer „das bemerkenswerteste Werkzeug, das wir je erfunden haben – das Äquivalent eines Fahrrads für unseren Geist“.
Später sprach er von Computern als „Agents“, kleinen Assistenten, die antizipieren, was wir brauchen – im Grunde eine erstaunlich präzise Vorahnung der heutigen KI-Agents und Sprachmodelle.

Und genau so einen „Agenten“ habe ich für diesen Artikel genutzt:
Perplexity erweitert weniger mein generelles Weltbild, aber es vergrößert mein Spektrum, meine Denkreichweite - wie ein Fahrrad, das mich weiter bringt, als ich gewöhnlich laufe.

Benutzer_innen beim Mac

Was hätte Steve Jobs angeregt?

Die Einschätzung, was Steve Jobs zum Gendern in macOS gesagt hätte, bleibt natürlich Spekulation.
Aber sie basiert auf etwas, das er selbst eingefordert hat: Klarheit über Werte, kompromissloses Design-Denken und Mut, beides zu konfrontieren.

Am Ende, denke ich, passt das Bild ziemlich gut zusammen: Steve Jobs war konfrontativ und hat Menschen bewusst aus ihrer Komfortzone gebracht – nicht, um einfach nur dagegen zu sein, sondern um Qualität, Fokus und echtes Neudenken zu erzwingen.

Wenn man nun seine Design-Schule weiterspinnt, hätte Jobs sich vermutlich nicht zwischen „Gendern ja oder nein“ entschieden, sondern die Frage umgedreht: „Warum brauchen wir hier überhaupt das Wort ‚Benutzer‘?“
Die inklusivere und gleichzeitig typisch Apple-like-Lösung wäre wohl gewesen, den Ordner radikal neu zu überdenken oder wenigstens einfach in „Profile“ oder„Accounts“ umzubennen.

Inklusiv in der Haltung, klar im Design.

Hier die Quellen-Liste: